Montag, 26. September 2011

Hostel Life

Ich habe jetzt eine Woche in einem Hostel gewohnt und bilde mir daher ein, mir bereits eine Bild über den Hostel Lifestyle machen zu dürfen, das natürlich vor Klisches und Vorurteilen nur so strotzt. Ich halte ein Hostel für einen Ort, an dem jeden Tag verschiedene Konstellationen von Menschen aus aller Welt aufeinandertreffen, die versuchen, miteinander zu harmonieren. Gut 75% der Teilnehmer dieser individuellen Gruppe versuchen, sich zu profilieren, indem sie entweder besonders lustig, besonders individuell, besonders laut oder besonders besoffen sind. So finden sich schnell Gleichgesinnte, die in kürzester Zeit zu den allerallerallerbesten Freunden werden- für immer und ewig natürlich! (oder eben, bis der Hostelaufenthalt vorbei ist).
Wer sich (so wie ich) keiner Clique anschließen möchte, hat trotzdem die Möglichkeit, an dem regen leben teilzunehmen. Ob in der Küche, im Innenhof, vor der Waschmaschine oder in Flur- keine Gelegenheit zum Small Talk wird ausgelassen: Sätze wie „Hey. How are you?“, „What have u been doing today?“, „Are u going out tonight?“ gehören zum Grundwortschatz eines Hostelbewohners.
Eine grundsätzliche Gegebenheit, an die man sich ebenfalls gewöhnen muss, ist das ständige Suchen von Gegenständen, von denen man weiß, dass man sie besitzt, die aber unauffindbar scheinen, weil sie irgendwo im Chaos des 6-/8-/10-Bett Zimmers untergegangen sind. Als noch komplizierter erweist sich die Suche in den Abendstunde, wenn die ersten Mitbewohner schlafen und man sein Hab und Gut lediglich im Schein des Handybildschirms zusammenkramen muss. Aber: es ist alles Gewöhnungssache und irgendwie lebt man sich schnell in das Hostelleben ein: man wird geduldiger, gelassener und unaufgeregter.
Und zusätzlich zu diesem neuen entspannten Lebensstil hat es auch große Vorteile, mit so vielen Menschen zusammen zu leben: Wenn man will, muss man nie alleine sein, man unterhält sich mit Menschen, mit denen man zu Hause nie in Kontakt kommen würde. Man lernt verschiedene Arten kennen, wie man sein Leben führen kann, wird vielleicht sogar zu neuen Taten inspiriert und bekommt zusätzlich von allen Seiten super Reisetipps: denn der durchschnittliche Hostelbesucher ist schon viel rumgekommen.
Und manche seiner Mitbewohner, obwohl man weiß, dass man wohl nie wieder Kontakt haben wird, schließt man tatsächlich ins Herz, weil es einfach ganz wunderbare Menschen sind, die einen auf der eigenen, aufregenden Reise für kurze Zeit begleiten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen